Login

Am Donnerstag, den 17. Januar 2019 kam Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration sowie Mitglied des Sächsischen Landtages mit jungen Reporter/innen der Schülerzeitung „Querdenker“ der Rudolf-Hildebrand-Schule in Markkleeberg ins Gespräch über ihre Aufgabenbereiche Integration, Gleichstellung und Demokratieförderung sowie zu weiteren politischen Themen.

Auf die Frage, was Integration für Sie bedeute, antwortete Köpping: „Integration heißt für mich Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - bspw. in der Bildung, in der Arbeitswelt oder in der Kultur.  Die Frage, die wir uns heute stellen müssen ist, welche Haltung wir im Umgang miteinander und gerade auch mit zu uns geflüchteten Menschen einnehmen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass es sich in erster Linie immer um Menschen handelt.“ Dass das Thema Integration längst nicht mehr nur auf Flüchtlinge begrenzt ist, verdeutlichte Köpping am Beispiel der verbreiteten Unzufriedenheit - insbesondere vieler Ostdeutscher im Zusammenhang der knapp drei Jahrzehnte seit der deutschen Wiedervereinigung. „Die Menschen wollen am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben. Deshalb muss es eine tatsächliche Ost-West-Angleichung geben. Nach fast 30 Jahren deutsche Einheit sind die Unterschiede - insbesondere bei den Löhnen und Renten - einfach nicht mehr vermittelbar. Somit gibt es gerade im Osten eine große Unzufriedenheit, denn 1989/1990 änderte sich für die Menschen hier fast alles, während für die Menschen im Westen fast alles gleich blieb. Zudem droht vielfach Altersarmut, es werden Lebensleistungen nicht anerkannt und die Auswirkungen des Turbokapitalismus der letzten Jahrzehnte ist für viele sicht- und spürbar.“ Dennoch verfolge sie mit ihrer Arbeit und ihrem Buch „Integriert doch erst mal uns!“, welches sie als Privatperson geschrieben hat, einen ganzheitlichen Ansatz.

„Mein Buch soll nicht nur Rückblick, sondern ein Ausblick dessen sein, was man machen kann und sollte, um dieser Unzufriedenheit zu begegnen. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss auch im Alter davon leben können. Das gilt im Übrigen für ganz Deutschland. Deshalb ist mein Ansatz, dass die Lebensleistungen aller Menschen in Deutschland anerkannt werden. Mittlerweile gibt es in den verschiedenen Regionen Deutschlands durchaus ähnlich gelagerte Problemfelder. Aus diesem Grund bin ich bundesweit zu Veranstaltungen unterwegs, um zum einen für ein gegenseitiges Verständnis zu werben, zum anderen für das Finden gemeinsamer Lösungswege, denn unsere Herausforderung machen nicht vor Ländergrenzen halt.“

Hier meint Köpping neben der Aufarbeitung der Nachwendezeit und das Beseitigen nach wie vor bestehender Ungerechtigkeiten vor allen Dingen die großen Zukunftsfragen wie die Digitalisierung, den Klimawandel und die demografische Entwicklung, v.a. in den ländlichen Räumen. „Zu diesen Fragen muss die Politik entsprechende Antworten und Lösungen finden - und dabei die Menschen vor Ort mitnehmen. Ich erlebe vielerorts eine große Bereitschaft, diese Fragen öffentlich zu diskutieren. Wenn die Menschen wieder mehr in politische Prozesse einbezogen und ihnen politische Entscheidungen besser erklärt werden, dann wächst das Vertrauen in Demokratie und Politik wieder.“

Klar sei für sie aber auch, dass Demokratie keine Art „Pizza-Lieferdienst“ ist - wie es der stellvertretende Ministerpräsident und zugleich SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig gesagt hat - sondern sie lebt vom Mitmachen. Deshalb appellierte sie zum Schluss an die Schülerinnen und Schüler: „Führt weiter Gesprächsrunde und Diskussionen wie diese, aber diskutiert v.a. auch miteinander in der Schule, im Freundeskreis und im privaten. Tauscht gegensätzliche Meinungen aus, denn das ist ganz wichtig, um Dinge voranzubringen oder zu lösen. Und bringt euch gern auch gesellschaftlich ein. Davon lebt unsere Demokratie!“

Zum Seitenanfang
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok