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Integrationsministerin Petra Köpping: „Kurse vermitteln Werte und praxisnahes Alltagswissen“

Ab September 2017 werden im Freistaat Sachsen in allen sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen „Erstorientierungskurse für Asylsuchende“ starten.

Die Kurse wurden bisher im Modellprojekt „Wegweiserkurse für Asylsuchende in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen“ an einzelnen sächsischen Einrichtungen der Erstaufnahme entwickelt. Ab sofort werden sie in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in allen sächsischen Einrichtungen der Erstaufnahme als Regelangebot angeboten und vom Freistaat Sachsen und vom BAMF gemeinsam finanziert. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fördert seit Juli 2017 Erstorientierungskurse für Asylsuchende in der gesamten Bundesrepublik und hat dabei die Bundesländer eng in die Ausgestaltung mit ein. So wurde für den Freistaat Sachsen entschieden, dass die Erstorientierungskurse in allen Erstaufnahmeeinrichtungen angeboten werden sollen und dass dabei auf das erprobte Curriculum des sächsischen Modellprojektes zurückgegriffen werden soll.

Das Modellprojekt wurde von der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration (SMGI) seit Dezember 2015 gefördert und vom Sächsischen Volkshochschulverband, ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. sowie mehreren lokalen Volkshochschulen in die Praxis umgesetzt. Im Projektzeitraum konnten so über 400 Kurse an mehr als 10 Standorten durchgeführt werden. Über 8.000 Asylsuchende nahmen an den Kursen teil.

Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration: „Mir war von Anfang an wichtig, dass die Menschen, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, unabhängig vom Stand ihres Asylanerkennungsverfahrens, sofort erste grundlegende Kenntnisse in der deutschen Sprache und über die Grundregeln unseres Zusammenlebens erhalten. Solcherart Kurse gleich zu Beginn bieten nicht nur Orientierung für den oder die Einzelne, sie vermitteln grundlegende Werte und praxisnahes Alltagswissen und können so manche Konflikte schon im Entstehen entschärfen. Das kommt am Ende allen zugute, die mit Asylsuchenden zu tun haben. Mit dem Sächsischen Volkshochschulverband und Arbeit und Leben Sachsen e.V. hatten wir zwei starke Partner, mit denen die Umsetzung des Modellprojektes hervorragend gelungen ist. Nun können wir mit Unterstützung des BAMF den Beschluss der Staatsregierung zum Integrationspaket vom März 2016 umsetzen, dass derartige Orientierungskurse in allen Erstaufnahmeeinrichtungen durchgeführt werden.“

Für die Umsetzung der Erstorientierungskursen in Sachsen sind künftig die Johanniter-Unfall-Hilfe in der Region Leipzig, der Malteser Hilfsdienst in der Region Chemnitz und in Schkeuditz sowie in der Region Dresden die Volkshochschule Dresden im Auftrag der European Homecare GmbH zuständig.

Eine zentrale „Landeskoordination Erstorientierung“ unterstützt die Arbeit der Träger, bündelt und koordiniert die notwendigen Absprachen zwischen den Trägern, dem BAMF und dem Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration und ist verantwortlich für das für das sachsenweite Projektcontrolling, die Weiterentwicklung des Curriculums, die Aus- und Fortbildung der Deutsch-Dozenten und Kulturmittler sowie die trägerübergreifende Koordinierung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit.

Hintergrund:
Ziel der Erstorientierungskurse, ist es, Asylsuchenden in Erstaufnahmeeinrichtungen schnell notwendiges Wissen für das alltägliche Leben in Deutschland und erste Sprachkenntnisse zu vermitteln. Die Erstorientierungskurse richten sich an erwachsene Asylsuchende in den sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen. Hintergrund ist dabei der Gedanke, dass diese Menschen unabhängig vom weiteren Verlauf ihres Asylverfahrens, eine gewisse Zeit in Deutschland verbringen werden, in der sie sich auf Deutsch verständigen und in ihrem Alltag orientieren müssen. Die Erstorientierungskurse bereiten insofern auch auf das Leben in den sächsischen Kommunen vor und geben wichtige Grundinformationen zum Leben in Sachsen.

Die Erstorientierungskurse  beinhalten 15 Stunden Deutschunterricht, in denen grundlegende Redewendungen, wie etwa zum Vorstellen der eigenen Person, geübt werden. In weiteren 15 Stunden wird das alltägliche Zusammenleben in Deutschland und in Sachsen thematisiert. Die Besonderheit der sächsischen Erstorientierungskurse ist dabei, dass für diesen Kursteil Dozentinnen und Dozenten ausgebildet wurden, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Diese „Kulturmittler“ können somit den Asylsuchenden in ihrer Muttersprache Wissen vermitteln und deren Fragen beantworten.

Kernthemen der Erstorientierungskurse sind:

• Werte, Normen und Gesetze in Deutschland
• Mobilität und räumliche Orientierung
• Das deutsche Bildungssystem
• Einkaufen
• Gesundheit und Umwelt
• Das Leben in der Erstaufnahmeeinrichtung
• Der Ablauf des Asylverfahrens

Um das Erlernte praxisnah zu umzusetzen, wird in jedem Kurs auch eine Exkursion durchgeführt, bei der beispielsweise der Erwerb von Fahrkarten gezeigt wird.

Hinweis:

Diese Maßnahme wurde mitfinanziert mit Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten im Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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SMGI - Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration
04.09.2017

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