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Ministerin Köpping: „Lebendige Erinnerungskultur gegen jegliche Form von Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung“

Vor zehn Jahren, genau am 1. Juli 2009, wurde die Ägypterin Marwa El-Sherbini durch einen rassistisch motivierten Täter im Dresdner Landgericht getötet. Anlässlich des zehnten Todestages ist neben der jährlich stattfindenden Gedenkveranstaltung im Landgericht eine Gedenkwoche mit mehreren Veranstaltungen geplant.

Die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping zum Gedenken an Marwa El-Sherbini: „Wir brauchen gerade jetzt eine lebendige Erinnerungskultur, die sich für die Opfer politisch und rassistisch motivierter Gewalt stark machen. Wir sind als Gesellschaft gefordert, ein öffentliches Zeichen gegen jegliche Form von Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung zu setzen. Rassismus und Ausgrenzung sind für viele Menschen leider immer noch Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Diesen Menschen solidarisch beizustehen und damit den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.“

Der Mord an Marwa El-Sherbini vor zehn Jahren ist eine Mahnung an alle, welche furchtbaren Ausmaße gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit annehmen kann. Die Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention (KORA) im Demokratie-Zentrum Sachsen, der zum Geschäftsbereich von Staatsministerin Petra Köpping gehört, setzt sich gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit und islamistischen Extremismus ein. Beide Phänomene wenden sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und das friedliche Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Neben Fällen im Kontext von islamistischem Extremismus berät die KORA deshalb auch im Falle von antimuslimischem Rassismus.  Betroffene und deren Umfeld können sich telefonisch von Montag bis Freitag von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr an die KORA-Hotline 0351/564 54949 wenden.
Personen, die Betroffene oder Zeugen rassistischer Gewalt werden, können sich auch bei der Opferberatung „Support“ des RAA Sachsen e.V. melden. Weitere Infos gibt es hier: https://www.raa-sachsen.de/support

Terminhinweis: Staatsministerin Petra Köpping eröffnet am 2. Juli um 17 Uhr die Fotoausstellung „Wir sind Dresdnerinnen!“ In der Fotoausstellung zeigen 20 Frauen, die den Frauentreff des Ausländerrates Dresden e.V. besuchen, was für sie „Dresdnerin sein“ bedeutet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Marwa El-Sherbini-Gedenkwoche statt.

Hintergrund

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in Alexandria als Tochter des Chemiker-Ehepaares Ali El-Sherbini und Laila Shams geboren. Während ihrer Schulzeit am English Girls College in Alexandria engagierte sie sich als Schulsprecherin. Sie studierte Pharmazie und schloss 2000 ihr Studium erfolgreich ab. Neben ihrer Ausbildung war sie von 1992 bis 1999 als Spielerin der ägyptischen Handballnationalmannschaft der Frauen aktiv. Im Jahr 2005 kam Marwa El-Sherbini mit ihrem Mann, dem Genforscher Elwi Ali Okaz, nach Deutschland. 2006 wurde der gemeinsame Sohn geboren. 2008 wurde Okaz als Doktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik angestellt, die Familie zog nach Dresden.  Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von dem Russlanddeutschen Alex Wiens auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Die Polizei wurde eingeschaltet und gegen Wiens Anklage erhoben. In der Gerichtsverhandlung am 1. Juli 2009 tötete Alex Wiens Marwa El-Sherbini, als diese nach ihrer Zeugenaussage den Gerichtssaal verlassen wollte und verletzte ihren Mann lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Einzeltäter, der aus einer „extrem ausländerfeindlichen Motivation“ handelte. Alex Wiens wurde am 11. November 2009 durch das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zum dritten Mal lobten 2017 der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden ein gemeinsames Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz zum Gedenken an Marwa El-Sherbini aus. Die gebürtige Ägypterin Youmna Fouad ist die aktuelle Stipendiatin. Sie lebt seit 2012 in Dresden und studiert hier Sprach-und Kulturwissenschaften sowie Europäische Sprachen. Sie engagiert sich unter anderem in der Studenten-Austauschorganisation AIESEC, bei CALM Dresden und dem Verein *Sowieso* Frauen für Frauen e.V. In diesem Herbst wird das Stipendium neu vergeben.

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SMGI - Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration
30.06.2019
Demokratie | Integration | Asyl

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