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Ministerin Köpping: „Tägliches Ringen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt nötig“

Der Ausländerrat Dresden e.V. und der Vorbereitungskreis des Marwa El-Sherbini-Gedenkens laden am 1. Juli um 14 Uhr vor dem Dresdner Landgericht (Lothringer Str.1) zum stillen Gedenken an den gewaltsamen Tod von Marwa El-Sherbini ein. Es ist ihr neunter Todestag.

„Auch in diesem Jahr denken wir wieder gemeinsam an diese mutige und starke Frau, die einem Rassisten auf schreckliche Art und Weise zum Opfer fiel. Und wenn wir gleichzeitig auch unseren Blick darauf lenken, wie sich das Klima in unserer Gesellschaft seit dem vergangenen Jahr entwickelt hat, so kann uns das nicht positiv stimmen. Das tägliche Ringen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt steht immer noch ganz oben auf unserer Agenda. Dieser wichtigen Aufgabe sollten wir uns alle verpflichtet fühlen. Denn wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gemeinschaft auseinanderdriftet und sich ein Klima ausbreitet, das geprägt ist von Hass und Angst“, sagt die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping.

Im Anschluss an das stille Gedenken lädt der Frauentreff des Ausländerrates Dresden um 15 Uhr zur Lesung „Die Farbe meiner Haut“ von Manuela Ritz in die Räumlichkeiten des Johannstädter Kulturtreffs (Elisenstraße 35) ein.

Hintergrund

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in Alexandria als Tochter des Chemiker-Ehepaares Ali El-Sherbini und Laila Shams geboren. Während ihrer Schulzeit am English Girls College in Alexandria engagierte sie sich als Schulsprecherin. Sie studierte Pharmazie und schloss 2000 ihr Studium erfolgreich ab. Neben ihrer Ausbildung war sie von 1992 bis 1999 als Spielerin der ägyptischen Handballnationalmannschaft der Frauen aktiv. Im Jahr 2005 kam Marwa El-Sherbini mit ihrem Mann, dem Genforscher Elwi Ali Okaz, nach Deutschland. 2006 wurde der gemeinsame Sohn geboren. 2008 wurde Okaz als Doktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik angestellt, die Familie zog nach Dresden.  Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von dem Russlanddeutschen Alex Wiens auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Die Polizei wurde eingeschaltet und gegen Wiens Anklage erhoben. In der Gerichtsverhandlung am 1. Juli 2009 tötete Alex Wiens Marwa El-Sherbini, als diese nach ihrer Zeugenaussage den Gerichtssaal verlassen wollte und verletzte ihren Mann lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Einzeltäter, der aus einer „extrem ausländerfeindlichen Motivation“ handelte. Alex Wiens wurde am 11. November 2009 durch das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Zum dritten Mal lobten 2017 der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden ein gemeinsames Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz zum Gedenken an Marwa El-Sherbini aus. Die gebürtige Ägypterin Youmna Fouad ist die aktuelle Stipendiatin. Sie lebt seit 2012 in Dresden und studiert hier Sprach-und Kulturwissenschaften sowie Europäische Sprachen. Sie engagiert sich unter anderem in der Studenten-Austauschorganisation AIESEC, bei CALM Dresden und dem Verein *Sowieso* Frauen für Frauen e.V.

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SMGI - Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration
29.06.2018
Hochschule | Demokratie | Integration

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